Erntedank denn: Nichts ist selbstverständlich. Alles ist Geschenk!

Liebe Leserin, lieber Leser, lieber Christ,
bei der bayerischen Kirschenernte 2017 wird mit einem Ausfall von ca. 40 % (Süßkirschen) und ca. 60 % (Sauerkirschen) kalkuliert, für die Getreideernte des letzten Jahres ermittelte das Statistische Landesamt Bayern gerechnet auf das langjährige Mittel ein Plus von 6 %, in unterschiedlicher Weise wechseln die Schlagzeilen von Rekordernte und Missernte ab. Bedingt durch den Klimawechsel, den manche ja immer noch nicht wahrhaben wollen und mit geschickten Argumenten zu vertuschen versuchen, muss in Teilen Afrikas von einem Totalausfall der Ernte gesprochen werden. Hintergrund dieses Zahlenwerkes ist das gefährliche Phänomen der Selbstverständlichkeit. Mit einer Selbstverständlichkeit gehen wir von der Tatsache aus, ernten zu können, mit einer Selbstverständlichkeit setzen wir voraus, minutengenau von A nach B zu kommen, mit einer Selbstverständlichkeit gehen wir einkaufen und sind uns sicher, alles zu bekommen, was wir auf dem Einkaufszettel bzw. in der entsprechenden App verzeichnet haben, mit einer solchen Selbstverständlichkeit planen wir unser Leben, … dass einem Angst und Bange werden kann.

Denn: Nichts ist selbstverständlich. Alles ist Geschenk!

Oder wer von uns hätte sich das Leben selbst gegeben? Wir verdanken uns anderen, Eltern zumal. Als Christen glauben wir sogar daran, einem anderen. Den erkennen wir im Schöpfergott und anerkennen ihn als Gott und Vater Jesu Christi.
Das Naturjahr bietet uns daher die Gelegenheit, sich dessen bewusst zu wer- den, wie sehr wir beschenkt sind und Grund zum Dank haben, was wir besonders am Erntedankfest, dem ersten Sonntag im Oktober, liturgisch feiern. Das dafür vorgesehene kirchliche Gebet lautet im Messbuch unter der Rubrik „In verschiedenen öffentlichen Anliegen“ so:
Gott, unser Vater, du sorgst für deine Geschöpfe. Du hast dem Menschen die Erde anvertraut. Wir danken dir für die Ernte dieses Jahres. Nähre damit unser irdisches Leben und gib uns immer das tägliche Brot, damit wir dich für deine Güte preisen und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen können. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
Vielleicht könnten wir versuchen, in den noch ausstehenden Tagen des Herbstes die Anliegen dieses Gebetes zu verinnerlichen, meint wenigstens
Ihr Pfarrer Walter Schmiedel
mit P. Franz Schaumann SDB, Pfr.i.R. Karl Miller und den Diakonen Wolfgang Gallo und Richard Fuchs

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